Comedy
6. März 2008: Michael Krebs „Vom Wunderkind zum Spätentwickler”
Michael Krebs
Michael Krebs posiert gern als das Sexsymbol der jungen deutschen Rock'n'Roll-Generation, von Haus aus aber ist er ein schwäbisches Muttersöhnchen und Anhänger des Schmusepianisten Richard
Clayderman. Diesen Konflikt trägt er seit einigen Jahren zur Freude einer wachsenden Anhängerschaft auf der Bühne aus und entlockt seinem Publikum auf den Tourneen permanent Lachsalven. Sein neues
Programm „Vom Wunderkind zum Spätentwickler" kann man am Donnerstag, 6.März, 20.00Uhr, im Isernhagenhof erleben. Der Junge aus dem schwäbischen 50-Seelen-Kaff Neu-Kupfer muss mit seinem zentralen
Konflikt den Lach-Nerv der Zeit getroffen haben, immerhin zieren sein Domizil mittlerweile neun Kleinkunstpreise, u.a. der Hamburger Comedy Cup und der Niedersächsische Kleinkunstpreis. Die Presse
feiert ihn „als komische Antwort auf Richard Clayderman" (Hamburger Abendblatt) oder vergleicht ihn mit Georg Kreisler (taz), dabei bleibt er vor allem eins: Michael Krebs, der einst mit dem
Klavierspielen begann, um Glück bei den Frauen zu haben. In Neu-Kupfer war er ein Wunderkind, wie man es sich vorstellt. Brav, gut erzogen, stets ordentlich gekleidet, Typ Musterschwiegersohn. Doch
schon damals brodelte es in ihm, denn sein Entschluss, Klavier zu lernen und die „Ballade pour Adeline" zu spielen, hatte einen dunklen Hintergrund. Dass mit dem Lied von Richard Clayderman
Mädchenherzen schneller zu gewinnen waren als mit Revoluzzertum, hatte das Büble nämlich schnell herausbekommen. Popstar wollte er sein und zog deshalb nach Hamburg. Als braver Schwabe schloss er
sogar sein Studium der Musik ab, um dann mit den erworbenen Fähigkeiten auch AC/DC so zu spielen, als sei es „Pour Adeline." Michael Krebs singt Lieder über Melanie, seine Jugend, ein „Hausverbot bei
Aldi", „Peter Primmichs Pubertät" und das hässliche „Ding von Heinz". Doch immer wieder erklingt das Leitmotiv „Pour Adeline", das eigentlich in jedem Lied steckt, wie das unschlagbare
„Clayderman-Medley" beweist.
Der Exilschwabe mit dem braven Äußeren und den schmutzigen Gedanken verfolgt ein hochgestecktes Ziel: „Ich will noch viel mehr Sex auf der Bühne haben". Die komischen Momente bei der Realisierung
dieses Wunsches stimulieren das Zwerchfell des Publikums über fast zwei Stunden auf unnachahmliche Weise. Wie es sich für einen echten Rock'n'Roller gehört, der nach Abenteuern und Groupies lechzt,
hat Michael Krebs parallel zur Tour „Vom Wunderkind zum Spätentwickler" das gleichnamige Album aufgenommen, in dem die Verbindung von Kitsch, Schweinkram und Philosophie eine umwerfend komische
Einheit bildet. Kleinkunst-Rock'n'Roll eben. Jeder Besucher, der eine Richard Clayderman Platte mitbringt, erhält zur Begrüßung ein Glas Sekt.